Monthly Archives: Juni 2015

Der Sport und ich – die Geschichte (m)einer Paartherapie.

Eigentlich bin ich ja gar nicht so unsportlich.

Ich gehe joggen, radfahren, fahre leidenschaftlich Ski, mache Yoga und ab und zu so ein wirklich anstrengendes Online-Zirkeltraining. Wirklich, ich bin froh, dass ich soweit bin, es gab auch Phasen, da hatte der Sport, oder besser gesagt, körperliche Aktivität, keinen Platz in meinem Leben. Das fällt genau mit der Zeit zusammen, in der ich auch mental nicht wirklich auf der Höhe und mein persönliches Glücksgefühllevel ziemlich unten war.

Damals wusste ich noch nicht, dass es da einen Zusammenhang gibt.

Vielleicht kennst Du das, bei mir zumindest liefen früher die Sport und Nicht-Sport-Phasen immer in einem Zyklus: Entweder kein Sport. Oder möglichst in jeder freien Minute ins Fitnessstudio (!) rennen, sodass es fast zur angenehmen Sucht wurde, wenn ich mal einen Tag nicht gehen konnte. Nur bloß nicht mehr als 3 Tage am Stück nicht gehen, denn dann war der sog. Schweinehund wieder erwacht und der schöne Sport-Rhythmus dahin. Die nächste Nicht-Sport-Phase began. Wir führten also quasi einen Fernbeziehung. Gar nicht sehen oder sehr intensiv. Außerdem war Sport bei mir immer zwingen an das Thema „Gewicht“ gekoppelt. Also am liebsten auch die Kurse besuchen, die möglichst viel Fett verbrennen, wie Spinnig oder Body Combat. Ohja, das hat auch sehr viel Spaß gemacht. Bis zu dem Zeitpunkt wo ich keinen Ärger oder Frust mehr abbauen oder „ab-boxen“ musste.

bodycombat abschluss

‚Bild bei pinterest gefunden

Vor 2 Jahren kam plötzlich eine Wende. Denn es wurde mir die Frage gestellt:

Warum machst Du denn Sport überhaupt? Ist es nur ein „um-zu“ oder ist es wirklich Deine ganz eigene Motivation, weil Du es willst?

Meine ehrliche Antwort war ein klares „um-zu“. Ich mache Sport, „um-abzunehmen“, „um Gewicht-zu-halten“, „um-Ausgleich-zum-Stress-zu-haben“. Mit Ausnahme des Skifahrens. „Das zählt ja auch nicht, das fällt mir ja total leicht und macht Spaß“ – Aha! Noch so ein Punkt. Ist es nur wirklich was wert, wenn es wirklich so richtig anstrengend ist? Und der Spaßfaktor bitte nicht zu hoch? (An dieser Stelle kommt nun auch der erhobene Coaching-Zeigefinger und eine Frage dazu „Siehst Du hier eine Parallele zu dem, was Du als Erfolg betrachtest, in Deinem Beruf?“

Ich began darüber nachzudenken und auch auszuprobieren. Und zu fühlen, genauer gesagt, dem Gefühl nachzuspüren.

run

Wie ist das mit der Beziehung zwischen dem Sport und mir? Sind wie verliebt? Gehören wir zusammen? Oder sollten wir uns trennen?

Ins Skifahren war und bin ich verliebt. In Gewichte stemmen, boxen und strampeln zu Housemusik – da war ich ehrlich gesagt nur in das Gefühl danach verliebt, der Endorphin-Cocktail – der auch wirklich großartig ist.  Es gab eine Ausnahme: Spinnig zu deutschem Pop und Schlager – ein Experiment unseres Trainers 😉 Die Stunde ging wie im Nu vorbei, Lachen und Singen und mindestens genauso viel Schwitzen inklusive. Leider waren wir allerdings in der Minderzahl und beim nächsten Mal tönten wieder die Bässe durch den 40Grad heißen Raum (denn die Klimaanlage zieht ja immer mindestens einem). Ich habe überlegt, wie das früher war. Über Leichtathletik, Turnen, Tanzen, Reiten habe ich so ziemlich alles ausprobiert. Wie war das damals? Und was tut mir heute denn wirklich wirklich gut?

Mein Fazit? Unter den richtigen Rahmenbedingungen führen wir eine sehr liebevolle und lebendige Beziehung!

Ich habe das Wort „Sport“ durch Bewegung und Aktivität ersetzt – das fühlt sich für mich viel besser an – und in diesen Teil bin wirklich aus tiefstem Herzen verliebt. Ich liebe es, draußen zu sein, spazieren zu gehen, durch den Wald zu gehen, Fahrrad zu fahren – dabei kann ich meine Gedanken sortieren und der Kontakt zur Natur gibt mir die Erdung, die ich brauche, wenn ich sehr häufig einfach mal gedanklich sehr hoch fliege.

Diese Bewegung und Aktivität  – die macht mir nicht nur Spaß und tut mir gut, sondern wirkt wie ein Turbobooster auf meine Produktivität am Tag und somit zu meinem Erfolg.

Hier ein wenig Theorie – durch die Übekreuzbewegung, z.b. beim spazieren gehen, werden beide Gehirnhälften stimuliert und die Bildung neuer Synapsen ist möglich. Außerdem bringen wir den Kreislauf in Schwung und trainieren alle unsere 5 Sinne im Freien. Wir sind WACH!

Das Fitness-Studio wird von meinem persönlichen Plan gestrichen! Mit einer Ausnahme: Gäbe es ein reines Spinnig-Studio, so würde ich dies gerne als Alternative haben, denn Spinning mit der richtigen Musik und dem richtigen Trainier – sorgt für Power und der Kopf wird sowas von frei, weil ich nicht auf Stöcke und Wurzeln und Autofahrer achten muss…einfach treten, treten, treten….für mich ist das eine Art Meditation!

Naturnähe – das ist für mich wichtig! Auch Landschaft erleben und Eindrücke sammeln – Rennradfahren wäre es z.B. nicht.

Wald Kirstin

Pausen machen, auch wenn die Pulsuhr weiter läuft: wenn mir ein Baum gefällt, bleibe ich stehen und sehe in mir näher an. Vielleicht bleibe ich einen Moment auf der Bank sitzen und genieße den Duft.

„Versaut den Schnitt“, hätte mein Papa früher gesagt, und recht hat er. Für mich ist es das: ich bin ein Genuss-Bewegungs-Freak.

Nun mit diesem neuen Wissen ausgestattet, darf ich in die Umsetzung gehen – neue Routinen im Alltag schaffen, motiviert bleiben.

Das mit der Routine ging leicht – ich habe mir immer vorstellt, dass zu meinem Leben in München gehört, dass ich morgens joggen gehe. Also bin ich umgezogen 😉

Yoga mache ich an den Tagen, an denen ich nicht jogge – auch morgens bei offenem Fenster, ganz früh und genieße die Morgenluft.

Wie es der Zufall so will, habe ich mich in einen Mann verliebt, der nicht nur mitten in der Natur wohnt, sondern dort auch mehr Zeit auf seinem Bike verbringt als in seiner Wohnung und im Büro zusammen. Ein Tag ohne mindestens 2 Bewegungseinheiten – undenkbar. Für mich hielt diess schon einige Komfortzonen-Erweiterungen bereit – und: es gefällt mir! 🙂 (meistens)

happy moment 34

Nun darfs noch etwas mehr sein: Die Leichtigkeit bestelle ich mir jetzt dazu!

Das Joggen und Radeln darf leichter gehen. Und wenn damit einhergeht, dass das Körpergefühl leichter wird, dann ist das fein. Und: es ist kein MUSS.

So habe ich mich heute angemeldet für meinen ersten 10km Lauf im Herbst im München! Ich habe ein wenig Respekt. Unter 60min soll das stattfinden. Ich freue mich wirklich darauf! Und werde bestimmt von Zeit zu Zeit hier vom Trainingsfortschritt berichten.

Sollte ich doch in die Fußstapfen meiner Eltern treten und Marathonläufer werden? Ach, nein. Soweit reicht die Liebe dann doch nicht.

Therapiert sind wir also – der Sport und ich – und bleiben uns treu! Ein Hoch auf die Liebe!

Wie ist das bei Dir? Wie viel bewegst Du Dich, wie viele und warum? Mich interessiert Dein Feedback! Gibt es einen Trick, den ich noch nicht kenne?

Wenn Dir der Artikel gefallen hat, leite ihn gerne weiter an Freunde und Bekannte!

Alles Liebe und mit sportlichen Grüßen,

Kirstin



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Schon wieder Übergewicht!?! Was Dein Reisegepäck Dir sagt.

Wochenend-Trip. Urlaubsreise. Geschäftsreise. Immer das gleiche Thema:
Was pack ich nur ein? Und was lass ich da?

Wichtige Fragen in diesem Zusammenhang sind für sehr viele meiner Freundinnen und mich – und vielleicht auch einige von Euch: Wie wird das Wetter? Welchen Anlass gibt es? Ausgehen, Sport, Freizeit, Business? Welche Schuhe? Muss ich weit laufen?  Geb ich den Koffer auf? Kann ich einfach alles ins Auto werfen?

Mir ging das letzte Woche wieder so. Ich stand vor einer längeren Reise, sowohl Privat- als auch Geschäftsreise und es waren so ziemlich alle Anlässe in diesen 2 Wochen integriert, die Ihr Euch vorstellen könnt: Geschäftliche Termine, Wanderklamotten, Ausgehen und eine Temperatur Schwankung von 6 bis 26 Grad. Na prima. Am Ende ist der kleine 1er BMW bis unter das Dach beladen und ich voller Freude unterwegs auf die Autobahn, während ich mir noch überlege, ob ich nicht doch etwas vergessen habe. (hatte ich, denn in der Tat fing es an zu schneien!)

Meiner Freundin ist vor Kurzem im Flieger ihr Gepäck verloren gegangen und sie musste 3 Tage ohne Koffer leben, inmitten einer Veranstaltung, die von Strand bis Business alle Facetten inklusive modebewusster Reisegruppe beinhaltete.

Ob es Urlaube sind, Umzüge oder Themen unseres Lebens – das Auswählen, Entscheiden, das Loslassen und Festhalten an Dingen, Umständen und Menschen ist eine der größten Herausforderungen unseres Alltags.

Nach Neuland

Wir werden mit dem Glauben groß, dass es sinnvoll ist, Besitz und Güter des Wohlstands anzuhäufen. Das Haus, das Sicherheit bietet, die Altersvorsorge, das Auto, einen gefüllten Kleiderschrank und mindestens 2 Urlaube im Jahr. Ohja, das ist ja auch schön – das ist Lebensqualität – und DAS macht uns glücklich! Oder etwa nicht?

Und zu einem vernünftigen Haushalt, das hab ich von meiner Oma gelernt, gehört auch, dass man für viele Situationen des Alltags ausgestattet ist: Kartoffelstampfer, Tupperware, Schrauben und Nägel in allen Größen, Blumentöpfe, aussortierte Kleider, die mal irgendwann wieder passen können und so weiter und so weiter. Tchibo macht heute einen ganz großartiges Geschäft damit uns Dinge anzubieten, von denen wir noch gar nicht wussten, dass wir sie unbedingt brauchen. Ein geniales Konzept. Da gibt es einen Schäler für Spargel, einen für Karotten, einen für Kartoffeln und noch ein weiteres Messer, mit dem wir jetzt Blumen schräg anschneiden können. Wir häufen mehr und mehr Besitz an, das Haus und das Leben füllt sich. Und trotzdem ist unser Glücksgefühl häufig nicht am oberen Limit.

Eine Verhaltens-Struktur nur selektiv einzusetzen ist unmöglich 

Eine Struktur im Verhalten lässt sich nicht auf nur einer Ebene leben. Sie ist da oder eben nicht – wir können nicht selektieren. Häufen wir Dinge in unserem Haushalt und Leben an, so häufen wir diese Dinge auch in unserem eigenen -unserem inneren – Haus an. Da liegen alte Gefühle, vielleicht brauchen wir sie ja mal wieder. Alte Ängste und Zweifel, Situationen, die wir heute vielleicht ganz anders erleben würde. Doch wir bewahren sie lieber mal auf. Vielleicht sind sie ja zu etwas Nütze. Alte Situationen, die uns Stress gemacht haben. Und die durch die schiere Anzahl und Intensität zu einem großen Berg geworden sind, der uns innerlich bremst, blockiert, eine gewisse Schwere mitbringt. Und die überlagert werden von allem Besitz im Außen, sodass wir sie gar nicht wirklich wahrnehmen.

Willst Du ein Geheimnis für mehr Glück und Zufriedenheit wissen?

Miste aus! Räume auf! Starte mit Deinem Gepäck, deiner Wohnung und dann komm näher zu Dir. Bring die Leichtigkeit zurück in Dein Leben!

Warte nicht erst darauf, bis das Universum Dir einen Wink mit dem Zaunpfahl schickt und Dein Gepäck verloren geht. Oder Du umziehst. Zugegeben, das ist ein guter Anlass, aber bei einigen wird das nicht (mehr) vorkommen.

Nimm jedes Teil buchstäblich in die Hand, fühle in Dich und beantworte Dir ehrlich die Frage: macht mich dieses Teil wirklich glücklich?

Marie Condo, auch bekannt unter KonMarie-Methode, die Aufräum-Coach-Queen, hat genau auf diesem Prinzip den Erfolg Ihres Business aufgebaut. Die Kernfrage lautet „Macht es mich glücklich“? Wenn Dich das mehr interessiert, dann empfehle ich sehr gerne dieses Buch von ihr:

Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert

Und es fängt mit kleinen Schritten an: Das Reisegepäck geht genauso wie Haus und Wohnung. Das darf ich mich auch jedes Mal wieder erinnern, wenn ein gewisses Chaos ausbricht.

In meinem Fall habe ich ca. 3/4 der eingepackten Dinge wieder unbenutzt mit nach Hause genommen, da das Auto zu weit weg geparkt war und ich somit aus Faulheit mit den Dingen aus dem Koffer klar kam. Meine Freundin hat tatsächlich einen großartigen Urlaub verbracht ohne Ihren Koffer in den ersten Tagen wiederzubekommen – es geht also!  Das sind die vorweg gegebenen Antworten auf die Frage: Wie soll ich denn mit so wenig klar kommen? Glaub mir – es geht. Und es ist immer noch Luft nach oben.

Ein süßer kleiner Nebeneffekt

Es wird auch Deiner Seele gut tun, wenn Du beginnst, auszumisten und aufzuräumen. Welche Erleichterung! Zurück bleiben können in diesem Fall erst einmal die alten Ängste, Zweifel, Erinnerungen an Situationen, die bis jetzt unter der dicken Schicht von Besitztümern verdeckt waren. Schau auch sie dir an, ob alleine oder in Begleitung. Und prüfe kritisch, ob Du sie heute noch brauchst. Oder ob das, was hinter der Angst steht, heute noch Bestand hat. Vielleicht ist da auch gar nichts mehr und die Angst vor der Angst war größer als das, was dahinter steht (noch ein Geheimnis: es ist meistens so!) Und plötzlich  – plötzlich betrittst Du Neuland.

„Ich kann das auch alleine“

Das sagen ganz viele und sie haben recht. Denn ja, das kannst Du. Und das ist hier kein Plädoyer für mich oder einen Coach Kollegen. Mein Anliegen ist es, dass Du den Schritt gehst und Dich mit dem Thema „aufräumen“  und „Klarheit schaffen“ beschäftigst, zumindest ihm einen Funken Deiner Aufmerksamkeit schenkst. Denn ich wünsche mir für Dich diese Leichtigkeit und Lebensfreude, die unter all den ganzen angehäuften alten Dingen auf Dich wartet.

Ich für meinen Teil, trickse mich dabei gerne selbst aus, wenn ich das alleine mache und es fällt mir leichter, im Gespräch Dinge und Themen zu reflektieren als alleine.  Deshalb fällt meine Wahl immer auf den Coach. Mein Auto bringe ich auch alle 2 Jahre zum TÜV oder den Computer zum Spezialisten – ja, da könnte ich mich auch rein arbeiten. Und ich bin ein Freund von „es darf schnell und leicht gehen“ 🙂 Warum also sollte ich da bei mir den Anspruch haben, es selbst besser zu können?

Ein Geschenk für Dich

Ich habe zum Abschluss heute für Dich noch eine Geschichte. Ich habe sie oder sie hat mich gefunden, nach einem ganz besonderen Telefonat mit einem ganz besonderem Menschen. Sie passt zum heutigen Thema und wenn Du magst, nimm sie mit in den Tag. Es geht um die Reise nach „Neuland“. Eine Geschichte von Inge Wuthe, aus dem Buch „Lieber spät als gar nicht: Märchen für Erwachsene

Ich danke Dir für eine Aufmerksamkeit und wünsche Dir einen wundervollen Tag! Ich freu mich immer über Deine Kommentare oder persönliche Nachricht und wenn, Du jemanden kennst, für den dies interessant sein könnte, leite die Email gerne weiter. Du kannst Dich auch eintragen auf meiner website, um diesen newsletter regelmäßig zu erhalten.

Bis bald – und denk dran: es geht da lang, wo die Freude ist!

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PS: Das Mentorenprogramm für den Sommer ist offen! ich freue mich, wenn ich Dich als Coach über 2 Monate begleiten darf und wir einen gemeinsamen Schritt in Deiner Heldenreise gehen!
PPS: Der Business & Soul Spa Workshop findet Ende Juni statt und es sind noch 2 Plätze frei! Bist Du dabei?

Hier die Geschichte für Dich

Vom Festhalten und vom Loslassen 

Es war einmal eine Frau, die stand am Ufer eines Flusses. Sie hatte gehört, auf der anderen Seite sei das Leben einfacher, bunter, schöner aufregender.

„Neuland“ hieß die Welt da drüben und wer davon zu ihr sprach, dem blinzelten die Abenteuer aus den Augen.

Die Frau war nicht zum ersten Mal hier. Immer wieder einmal hatte ihre Sehnsucht sie an dieses Ufer gelockt, an dem sie dann mit hängenden Armen gestanden, zerrissen von der Mutlosigkeit und dem Traum vom ganz anderen Leben. Ängste und Zweifel hatten dann wie hungrige Ratten an ihr genagt und ein Chor von „Ja-aber Stimmen“ ihr leises „Ich möchte“ übertönt.

Sie war immer wieder umgekehrt und hatte sich, nicht ohne Erleichterung, still in die vertraute Eintönigkeit ihres gewohnten Alltags eingereiht.

Eine Weile hatte sie Schritt gehalten, doch die Unzufriedenheit mit dem was sie tat, und dem, was sie unterließ, hatten stetig zugenommen. Auch die Betäubung durch ihre rastlosen Versuche das Unbehagen auszuhalten hatte beunruhigend nach gelassen.

Nun stand sie wieder hier, und diesmal mal es anders.

Sie hatte einen riesigen Rucksack gepackt mit Dingen, von denen sie sich beim besten Willen nicht trennen konnte. Er war so groß und so schwer, dass sie vom Tragen und Zerren und Ziehen schon einen großen Teil ihrer Kraft verloren hatte.

Aber diesmal wollte sie nicht mehr umkehren. Das „Neuland“ da drüben, das war ihr Ziel. Nun sah sie aber keine Brücke, kein Schiff und an Schwimmen war gar nicht zu denken.

Sie erschrak, als plötzlich, fast lautlos das kleine Boot des Fährmanns durch das Schilf glitt. Der Fährmann war ein alter, eigenwilliger Kautz, der manchmal und nur wenn er Lust hatte, Reisende übersetzte. Er legte sein Boot an und starrte befremdet das sperrige Gepäck der Frau an.

„Hast du vor, dich mit deinem gesamten Hausrat anzusiedeln?“ schnarrte er nicht gerade freundlich.

Die Frau, die den Fährmann als einen Wink des Schicksals sehen wollte, schüttelte erleichtert den Kopf. „Nein, nein, ich möchte auf die andere Seite des Flusses, und ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mich hinüber bringen würdest“

Der Alte krächzte bissig „Dich überzusetzen wird wohl angehen: doch Neuland betritt man nur mit leichtem Gepäck. Da wirst du dich erst noch von einigem verabschieden müssen.“

Die Frau schaute erschrocken zu ihrem Rucksack. „Aber ich habe doch schon nur das nötigste eingepackt. Ich kann mich doch nicht von all dem Vertrauten trennen!“

Der Alte machte eine müde Handbewegung; „Wer neu anfangen will, kann nicht gleichzeitig am Alten festhalten. Die Requisiten der Vergangenheit sind Ballast, der Neues behindert und verhindert. Erst wenn du bereit bist loszulassen machst du deinen Geist frei für neue Wege. Mit deinem alten Gepäck kannst du bis ans Ende der Welt laufen, du wirst dich doch immer wieder im Altvertrauten einrichten und dich letztendlich keinen Schritt hinaus bewegen. Nein, meine Liebe, du wirst dich entscheiden müssen, wenn du „Neuland“ erobern willst. Erstaunlich behände sprang

er ans Ufer und legte sich genüsslich ins Gras.

In der Frau kam Panik auf. Sicher, sie könnte jetzt einfach wieder umkehren. Wie schon so oft. Eigentlich war es doch gar nicht so schlimm.Es ließ sich schon irgendwie aushalten….

„Ja, ja, die vertraute „Hölle“ murmelte der Alte, als könne er Gedanken lesen.“Es ist alles ganz schrecklich, aber so beruhigend vertraut.“

Er hat so verdammt recht, gestand die Frau sich nunmehr wütend ein. Sie zerrte an der Schnalle ihres Rucksacks und öffnete ihn. Was quoll da alles heraus!

Soviel Ängste und Zweifel, ausgeleierte Gewohnheiten, Zaudern und Zögern, vergilbte Träume, Ausgedachtes und Verworfenes, brüchige Ideale, verschnürte Pläne, veraltete Glaubenssätze, ein Sack Bequemlichkeit, sperrige Zwänge, knöcherne Vernunft, bittere Entsagungen und verpasste Möglichkeiten….

Die Frau saß da inmitten ihrer zweifelhaften Schätzen und ließ endlich ihre ungeweinten Tränen frei.

Sie betrauerte ihr ungelebtes Leben , dem sie bisher so wenig Chancen eingeräumt hatte. Wie Zinnsoldaten hatte sie Regeln und Normen um sich geschart, hatte eherne Mauern hochgezogen, damit nichts Unbekanntes sie Beunruhigen konnte. Das sie sich auf diese Weise zuverlässig und berechenbar ein Gefängnis, nahm jetzt als Erkenntnis Form an.

Der Rucksack war fast leer.

Noch tränenblind holte sie zwei unscheinbare, schon leicht angestaubte Päckchen hervor. Sie hatten wenig Gebrauchsspuren.

Es waren die Neugier und die Zuversicht.

In aller Deutlichkeit spürte sie, dass diese Kostbarkeiten unabdingbare Weggefährten auf ihrer Reise sein würden.

Schnell packte sie ihre Schätze wieder ein und schnürte entschlossen den Rucksack zu.

Geräuschvoll zog sie die Nase hoch und fragte mit klarer Stimme: „Gehen wir?“

Leise lächelnd löste der Fährmann das Boot vom Ufer.

Quelle: Buch Lieber spät als gar nicht ~ Autorin Inge Wuthe ~ Lucy Körner Verlag



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